Archive for Oktober 2007

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Schatzsuche

26. Oktober 2007

Wir sind dann doch noch in den Urlaub gefahren. Nachdem es den Patienten zum Wochenbeginn erheblich besser ging, lasen wir am Dienstagmorgen kurzentschlossen die halb ausgepackten Sachen wieder zusammen, stopften alles ins Auto und fuhren los. Auch wenn der gesunde Menschenverstand die Frage stellte: „Lohnt sich das eigentlich noch? — Acht bis neun Stunden Hin- wie Rückfahrt auf der Autobahn bei verbleibenden vier Tagen? Aber wir alle hatten das Gefühl, dass es sein musste und, um es kurz zu fassen, es hat sich gelohnt.

Abgesehen vom guten Essen bei den Verwandten (davon einmal fünf Forellen, die unser Großer gleich am ersten Tag geangelt hatte) und der durch die warmen Oktobertage wunderbar weichgezeichneten Landschaft im Land der Staufer war sogar noch eine Schatzsuche für uns drin, und zwar im Steinbruch Kromer bei Holzmaden. Dabei war dies gar nicht geplant, keiner von uns hatte zweckmäßige Kleidung, geschweige denn Werkzeug dabei. Den Tipp erhielten wir im Museum Hauff in Holzmaden, wo wir zunächst die ausgestellten, kunstvoll präparierten Fossilien bewunderten. Die Kinder waren hier zwar nicht so begeistert, aber dadurch dass die ortstypische Schichtung des Schiefergesteins originalgetreu nachgebaut war, erhielt man einen anschaulichen Eindruck von den geologischen Gegebenheiten.

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Der Hit war dann aber doch der Steinbruch. Werkzeug (Hammer und Meißel) konnte geliehen werden und so stapften wir durch die Schieferhalden und klopften, was das Zeug hielt. Sogar der Ehegatte, der mich nur noch an Sandstrände begleitet, weil ihn die ewige Steinsucherei nervt, war mit Feuereifer bei der Sache, weil eine Platte schönere Fossilien als die nächste enthielt. Sehr hilfsbereit waren auch die Arbeiter im Steinbruch, von denen wir den Tipp erhielten, die Platten mit Tiefengrund zu imprägnieren, um die Fossilien und vor allem die Pyritschicht zu konservieren. Nachdem wir unsere Schätze mehr schlecht als recht im Auto verstaut hatten — zum Glück hatten wir eine alte Decke dabei, in die wir die empfindlichen Platten einwickeln können.

In den nächsten Urlaub nehme ich auf jeden Fall mein eigenes Werkzeug mit. Denn ich muss zugeben, dass wir einige sehr schöne Stücke kaputtgeschlagen haben, einfach weil der Hammer zu lose bzw. der Meißel zu stumpf war. Wenn man dann die schönen Stücke nachbearbeitet, kommt ein großer Respekt vor den Präparatoren auf, denn es ist unheimlich viel Geduld und Fingerspitzengefühl notwendig, will man nicht mit einem zu lässig angesetzten Schlag alles zerstören.

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Die oben abgebildeten Platten lagen beim Fotografieren auf meinem Esszimmertisch, wo wir sie zuvor imprägniert hatten. Dadurch verliert der Schiefer zwar seine natürliche graue Farbe und wird fast schwarz, allerdings kann man nicht alles haben. Voraussichtlich stammen die Ammoniten (Asteroceras? Harpoceras?) aus dem Unteren Jura. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, weil der Abraum wild durcheinander lag und man nicht erkennen konnte, aus welcher Schicht genau die Platten stammten. Und zugegebenermaßen habe ich nicht genügend Erfahrung, um genaue Bestimmungen anhand von plattgedrückten Exemplaren und einer limitierten Auswahl von Bestimmungsbüchern zu machen.

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Herbstferien

14. Oktober 2007

Eigentlich sollte ich jetzt nicht hier sein. Die Koffer waren schon halbwegs gepackt, der Hund an die Eltern zur Pflege übergeben, um dann beschwingt am Samstagmorgen loszufahren nach Süddeutschland. Meine Cousine hatte schon alles für uns vorbereitet: Ferienwohnung besorgt, Programm ausgearbeitet und das Essen für den Sonntag in der Planung.

Als Erstes begrüßte mich mein Mann, als ich Freitag von der Arbeit nach Hause kam: „Du, ich glaube, ich bin kurz davor, euch den Urlaub zu verderben.“ Zahnschmerzen. Und was für welche. Also beschlossen wir erst einmal, die Fahrt um einen Tag zu verschieben, um zu sehen, ob die zahnärztlich verordneten Medikamente anschlagen würden. Aber es kam noch dicker. Unsere Jüngste, die vorher nur leicht erkältet gewesen war, „beschloss“ nun, da die Schule vorbei war, ganze Sachen zu machen, und legte einen ausgewachsenen grippalen Infekt hin mit hohem Fieber, Bauchweh und Heiserkeit.

Kranker Mann, krankes Kind — manchmal soll es einfach nicht klappen. Na ja, zu Hause ist es auch ganz schön. 😉

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Kapuzinerkresse

3. Oktober 2007

Obwohl sie schon im Sommer blüht, ist die Kapuzinerkresse für mich eine
Herbstpflanze, denn nun kommt sie erst recht mit ihren kräftigen Farben
zur Geltung, die mit dem Herbstlaub der Bäume und Sträucher und dem
Violett der Astern harmonieren. Im letzten Jahr schenkte mir eine Freundin Saat von einer rot-schwarzen Kapuzinerkresse in der festen Überzeugung, die Kinder würden genauso aussehen wie die Mutterpflanze. Umso überraschter war sie, als ich ihr die Pflanzen zeigte: Alle blühten sie im typischen Kapuzinerkresse-Hellorange.
Aber auf Mendel ist Verlass. Die diesjährigen Sämlinge weisen alle Schattierungen von hellgelb bis dunkelrot auf; zudem haben sich diese Farben auch in die rankenden Sorten eingekreuzt, die sich bei mir immer wieder von allein aussäen. Nur das ganz dunkle Schwarzrot fehlt, aber dazu wird man wohl völlig reine Elternpflanzen benötigen, um das zu erzielen.

 

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Ob die Pflanze, wie man ihr nachsagt, Läuse von Obstbäumen abhält, kann ich nicht bestätigen. In diesem Jahr waren meine Obstbäume wenig befallen, ob nun mit Kapuzinerkresse unterpflanzt oder nicht. In jedem Fall sieht ein Ring mit diesem Bodendecker unter der Baumscheibe sehr dekorativ aus.

kapuzinerkresse-gestreift.jpg kapuzinerkresse-rankend.JPG

Ein weiterer Pluspunkt der Pflanze: Man kann Blüten und Blätter essen. Vor allem die Blüten bringen kleingehackt Farbe und Würze in den Kräuterquark. Passend dazu: Schnittlauch, Borretschblüten, Pimpinelle. Dabei muss ich gestehen, dass „Kräuterquark“ eine ungenaue Bezeichnung ist, denn bei mir kommt auf einen Becher Quark ein Becher Creme fraîche — man gönnt sich ja sonst nichts. Dazu noch frische Folienkartoffeln, und aufs Grillfleisch kann dann meinetwegen verzichtet werden.

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Verrückte Maus

2. Oktober 2007

Dass es dieses Jahr ungewöhnlich viele Mäuse gibt, habe ich schon in anderem Zusammenhang erwähnt, als es um meine missglückte Bohnenernte ging. Dabei war mir auch aufgefallen, dass die Tierchen relativ wenig Scheu zeigten. Dass es aber so weit kommt, dass eine Maus (Brandmaus? Birkenmaus?) nicht nur einfach sitzen bleibt und mich neugierig anschaut, sondern im Gegenteil zu mir hergehüpft kommt, um an meinem Knie zu schnuppern — das ist mir noch nicht passiert. Leider war ich zu perplex, um Letzteres mit der Kamera festzuhalten. Kurz danach suchte sie Schutz in der Kapuzinerkresse, weil die Nachbarin mit ihren Hunden vorbeikam.

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Entstanden sind die Bilder an der Rückseite des Gartens an „meinem“ wilden Wall, auf den ich all die Pflanzenreste kippe, die nicht auf dem Kompost landen sollen. Mittlerweile sieht es dort ganz schön bunt aus, weil sich Staudenreste dort trotz aller Widrigkeiten festgesetzt und Ein- bzw. Zweijährige wie Kapuzinerkresse, Feldsalat und Vergissmeinnicht versamt haben.

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Rhododendron

1. Oktober 2007

Vor etwa zwei Jahren hat mir eine Bekannte einen Rhododendron übereignet. Der Strauch sah damals recht traurig aus — unten völlig verkahlt, nur oben an den Triebspitzen noch einzelne Blätter. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man Rhododendron problemlos zurückschneiden kann. Allerdings war ich nicht ganz so mutig, sondern habe erst einmal drei bis vier Äste bis 30cm über dem Boden abgeschnitten — schließlich musste der arme Busch ja noch anwachsen.

Ich hätte nicht so vorsichtig zu sein brauchen. An zwei Stellen sind in diesem Sommer kräftige Neutriebe erschienen, während der Rest des Busches weiter vor sich hinmickert. (Bestimmt hat auch der feuchte Sommer geholfen.) Also werde ich im nächsten Frühjahr nach der Blüte wieder die Schere zur Hand nehmen und den Rest stutzen. Jetzt im Herbst traue ich mich nicht, da ich nicht weiß, ob er dann eventuelle Fröste übersteht.