Archive for September 2007

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Ernte 07

9. September 2007

Nachdem es jetzt erschreckend schnell auf den Herbst zugeht — die ersten Blätter verfärben sich bereit — lässt sich schon einmal ein erstes Resümee erstellen. Vorweg gesagt, aufgrund der Wetterkapriolen (milder Winter, extrem trocken im Frühjahr, relativ feucht und kühl im Sommer) ist das Ergebnis nicht berauschend. Am lohnendsten war noch die Erdbeer-Ernte. Obwohl ein Großteil wegen des Regens und des zu dichten Standes von Grauschimmel befallen war, hat der Ertrag doch für über zwanzig Gläser Marmelade, mehrere Schüsseln Erdbeergrütze und natürlich frische Erdbeeren mit Schlagsahne gereicht. Johannisbeeren waren immerhin so viele an den Sträuchern, dass es sich lohnte, sie mit den spärlichen Himbeeren und etwas Apfelsaft zu Gelee zu verkochen (da ich noch keinen Entsafter besitze, muss ich hierfür den Saft zuvor immer auskochen, was etwas mühsam ist). Äpfel und Pflaumen, die nur spärlich angesetzt hatten, sind im Verlauf der Sommerstürme alle vom Baum gefallen. Von den Süßkirschen war nur die Hälfte verwertbar, da die meisten vom Regen aufgeplatzt und angeschimmelt waren. Jetzt steht mir nur noch die Brombeer-Ernte bevor, die ungewöhnlich gut ausfallen wird, da der dornenlose Strauch, den ich aus meinem vorherigen Garten mitgenommen hatte, erst jetzt so richtig in Fahrt kommt. Eine erste Runde Gelee habe ich schon davon gekocht, in Verbindung mit den dunklen Weintrauben, die bei mir an der Südwand wachsen.

Beim Gemüse fällt die Ausbeute noch dürftiger aus. Kartoffeln: eher mickrig, da zuerst Trockenheit und dann Schnecken den Pflanzen zu schaffen machten. Meine Tomaten sind mir fast alle durch Braunfäule eingegangen; die restlichen konnte ich durch rigorosen Rückschnitt und ein verhältnismäßig mildes Fungizid retten, sodass immerhin einige Früchte verbleiben (Grundsätzlich setze ich kein Gift ein, aber bei den Tomaten war es mir das wert — gekaufte reichen nie und nimmer an den Geschmack der selbst gezogenen heran.). Bohnen: eine Katastrophe — eine gute Mahlzeit hatte ich geerntet, anschließend haben mir die Mäuse die Pflanzen ruiniert; den Rest erledigen die Schnecken. Letztere vergingen sich auch an meinem Kohlrabi, jetzt hoffe ich auf die zweite Runde. Vom Broccoli kamen immerhin bis jetzt zwei Mahlzeiten zusammen. Allerdings muss ich in Zukunft verschweigen, wenn ich Broccoli aus dem Garten nehme, weil ich beim letzten Mal nicht alle Raupen vor dem Kochen herausgesammelt hatte….
Erbsen: na ja — das meiste naschten sowieso schon die Kinder weg, und bei den Zuckerschoten habe ich vergessen, rechtzeitig Stützen aufzustellen, sodass die Schnecken mit den Blüten und den jungen Schoten leichtes Spiel hatten. Fenchel: Die Hälfte ist in Saat geschossen. Zucchini: enttäuschend (Habe ich eigentlich schon die Schnecken erwähnt?).
Ganz erfolgreich war ich im Frühsommer mit Salat. Der Butterkopf, den ich dieses Jahr ausprobiert habe, hat sich ungeheuer viel Zeit damit gelassen, in Saat zu schießen, sodass über vier Wochen lang regelmäßig dicke Köpfe in der Küche landeten. Die Nachsaat auch des Lollo Rosso war hingegen wieder ein kompletter Misserfolg. Kaum waren die Sämlinge gekeimt, so verschwanden sie wieder (Ich meine, ich habe irgendwo schon erwähnt, dass es dieses Jahr ein Schneckenproblem gab — und noch gibt.). Am zufriedensten bin ich noch mit den Möhren und Zwiebeln. Mit ersteren haben wir uns zwei Monate aus dem Garten versorgt, mit dem Ertrag der letzteren kommen wir sicher über den Winter. Die Knoblauchernte wäre auch etwas besser gewesen, wenn ich nicht den Zeitpunkt verpasst hätte. Als ich schließlich daran dachte, habe ich die Knollen zwischen den Erdbeeren nicht mehr wiedergefunden, weil das Grünzeug schon völlig verschwunden war. So sind dann viele in der feuchten Erde verfault.

 

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Abschied

3. September 2007

Angst kann töten. Angst vor der Zukunft, Angst vor fortschreitender Gebrechlichkeit, Angst nicht mehr ernst genommen zu werden, Angst von anderen abhängig zu sein, Angst vor dem Alleinsein. Ein Herz zieht sich zusammen, die Luft bleibt weg, ein Herz hört auf zu schlagen.

Hoffentlich geht es Dir besser, dort wo Du jetzt bist. Die Kirche war wunderschön geschmückt, die Rosen auf Deinem Grab leuchteten auch noch im abendlichen Nieselwetter, die aufgerissene Erde zudeckend. Vielleicht hast Du es gesehen — es war ein Abschied, wie er Dir gefallen hätte.

Tschüß Oma