Archive for Mai 2007

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Pflegeleichter Garten

29. Mai 2007

Auch wenn Garten- und andere Zeitschriften voll von Tipps für eine mühelose Gartenpflege sind — es gibt ihn einfach nicht, den Garten, der kaum Arbeit macht. Naja, man könnte vielleicht die gesamte Fläche betonieren und grün anmalen …

Selbst — oder sollte man sagen — vor allem Rasenflächen sorgen für eine Menge Arbeit, soll das Ganze nicht nach kurzer Zeit völlig ungepflegt aussehen; man denke nur an das Rasenmähen, das zur Zeit mindestens einmal wöchentlich erforderlich ist. Auch wenn man größere Bereiche als Blumenwiese wachsen lässt, so ist doch ein bis zweimal im Jahr ein Schnitt notwendig.

Aber es gibt Möglichkeiten, sich die Arbeit nicht über den Kopf wachsen zu lassen. Dazu gehört, Pflanzen so auszuwählen, dass sie lästiges Unkraut unterdrücken oder zumindest so lange verdecken, bis wieder Zeit und Lust für die Gartenarbeit da ist. Aus diesem Grund möchte ich hier ein paar Ein- und Zweijährige vorstellen, die sich immer wieder selbst aussäen, also nicht mühsam vorgezogen und gepflanzt werden müssen, und auf diese Weise wunderbar als Lückenfüller dienen, bis man sie nicht mehr benötigt.

Vom zweijährigen Vergissmeinnicht habe ich schon in meinem letzten Beitrag geschrieben. Es gibt kaum einen Bereich im Garten, wo es bei mir nicht auftaucht, sodass im Frühling über mehrere Wochen weite Teile von blauen Blütenwölkchen eingehüllt sind. Ich versuche, die alten Pflanzen so lange wie möglich stehen zu lassen, weil auch die Finkenvögel sich gern die Samen wegholen, aber da sie dann häufig Mehltau bekommen, müssen sie schnell abgeräumt werden, damit sie nicht noch andere Pflanzen anstecken.

Eine farblich etwas grelle, aber ungemein intensiv duftende Blütenpflanze ist der orangefarbene zweijährige Kaukasische Goldlack, der etwa 20 bis 30cm hoch wird. Ebenfalls duftend, besonders in den Abendstunden, ist die violette bis über einen Meter hoch werdende Nachtviole. Auch diese ist zweijährig und sät sich problemlos immer wieder aus.

Für den blauen Natternkopf, eine bis zu einem Meter hoch wachsende Pionierpflanze, ist mein Gartenboden wohl inzwischen zu humos. Nachdem er von allein erschienen war und sich mehrfach selbst ausgesät hatte, ist er in diesem Jahr nirgends zu finden.

Das einjährige rote Adonisröschen hat sich im Vorgarten mittlerweise etabliert und sorgt dort ab April für einen kräftigen Farbtupfer. Jetzt im Mai wird es durch Kornblume und Klatschmohn wunderbar ergänzt.

All diese Pflanzen blühen vom Frühling bis in den Sommer, sodass für interessante Farbflecken gesorgt ist, die von anderen Misstönen ablenken.

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Gartenarchäologie

28. Mai 2007

Während es in anderen Teilen der Republik über das Pfingstwochenende heftige Unwetter mit z.T. etremen Niederschlägen und Gewittern gegeben hat (Berlin hat wohl mehrmals zeitweise den Ausnahmezustand ausgerufen), blieb das Wetter hier verhältnismäßig ruhig, abgesehen von einem starken Gewitter am gestrigen Pfingstsonntag.
Es war also bestes Gartenwetter: der Boden gut durchfeuchtet, kaum Wind, angenehme Temperaturen, sodass auch der ein oder andere sanfte Schauer der guten Stimmung keinen Abbruch tat, sondern vielmehr dazu diente, die Schwüle etwas zu mildern.

Es wächst also an allen Orten wie verrückt, sodass noch kaum Platz zwischen den Stauden ist. Aus diesem Grund waren Aufräumarbeiten angesagt: Die verblühten Vergissmeinnicht-Pflanzen, die noch vor einer Woche fast alle Beete in ein sanftes Blau getaucht hatten, habe ich schubkarrenweise abgefahren. (In meinen Anfängerzeiten habe ich sie noch auf den Kompost gepackt, damit aber für eine extreme Ausbreitung bis ins letzte Beet gesorgt; jetzt lege ich sie in irgendwelchen wilden Ecken ab, wo ein neuer Blütenteppich im nächsten Jahr erwünscht ist. )
Erstaunlich, was in den Beeten so alles sichtbar wird, wenn diese Füllpflanzen verschwunden sind: Die Minifunkien kommen jetzt erst so richtig zur Geltung, ebenso die Bodendeckerrosen, die fast völlig in dem Kraut versunken waren. Zwischendrin hatten sich auch noch Hornveilchen ausgesät, welche ich zuvor gar nicht bemerkt hatte. Außerdem haben jetzt auch die noch kleinen Sämlinge der Ringelblumen genug Luft und Licht zum Wachsen.
Das ist das Schöne am Mai: Überall gibt es Pflanzen und Pflänzchen zu entdecken, von denen man gar nicht mehr wusste, dass sie im Garten waren.

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Motorsense

25. Mai 2007

Eine Motorsense ist ein praktisches Gerät. Man kann mit ihr bequem auch in Hanglage oder verwinkelten Ecken hohes Gras abmähen. Im Gegensatz zu vielen elektrischen Modellen kommt sie auch mit dichterem Gestrüpp zurecht, solange es nicht verholzt ist.

Eine Motorsense hat aber auch Nachteile. Erstens, sie ist laut, und zwar auf eine sehr penetrante, durchdringende Weise. Wenn sie im Einsatz ist, macht es keinen Spaß, sich im Garten oder der Umgebung aufzuhalten. Zweitens, sie verfügt über kein eigenständiges botanisches Wissen. Hier ist also der Maschinenführer gefragt, dessen Pflanzenbestimmungskenntnisse aber hauptsächlich darin bestehen, alles für Unkraut zu halten, was hoch und buschig wächst. Auf diese Weise sind schon einige Flurschäden entstanden. Zum Glück sind Knöterich und Hundsrose, die beide am Zaun wachsen, sehr robust und haben sich von der Attacke im letzten Jahr wieder gut erholt. Dieses Mal hat es aber eine Stockrose erwischt, die in unserer Schmuddelecke schon zu beachtlicher Größe herangewachsen war und diese bald mit ihren Blüten verschönert hätte. Es sieht nicht so aus, als ob sie überleben würde….

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Rosen

22. Mai 2007

Die ersten Rosen öffnen zaghaft ihre Knospen, und das im Mai! Letztes Jahr mussten wir bis Ende Juni warten, und dann wurden auch noch alle Blüten von Rapskäfern zerfressen.

Während ich zu Beginn die Rosenstöcke eher nach Farbe und Form der Blüten ausgesucht habe, achte ich jetzt viel mehr auf den Duft. Es gibt nichts Schöneres, als an einem lauen Sommerabend durch den Garten zu schlendern und sich von Blüte zu Blüte zu schnuppern. (Auch getrocknet hält sich der Duft, zumindest der von den fruchtigen englischen Rosen — eine Wohltat an trüben, kahlen Wintertagen.)

Leider habe ich mir lange Zeit nichts aus Sortennamen gemacht, doch gerade Rosen haben es verdient, dass man sie beim Namen nennt. Mit Bezeichnungen wie „Die-rosa-Edelrose-die-ein-bisschen-zu-sehr-nach-Seife-duftet“, „Dunkelrote-gefüllte-Strauchrose-die-ich-auf-einer-Rosenaustellung-erworben-habe“ oder „Die-wundervoll-fruchtig-duftende-pfirsichfarbene-englische-Rose“ wird man den Pflanzen einfach nicht gerecht, aber im Nachhinein den Namen herauszufinden ist fast unmöglich, wenn man nicht gerade einen Spezialisten in der Nähe hat. Deshalb achte ich jetzt bei Neuerwerbungen darauf, mir die Namen gleich zu merken, damit ich bei fachsimpelnden Gesprächen auch mit meinen Lieblingsrosen angeben kann: Rose de Resht (wundervoll duftende, dunkelrosaviolette alte Rose), New Dawn und Veilchenblau (Ramblerrosen, letztere mit zartem Duft und fast ohne Stacheln). Über Rosarium Uetersen bin ich nicht ganz so glücklich, das Pink der inzwischen massenweise auftretenden riesigen Blüten ist etwas zu intensiv, aber sie duftet herrlich.

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Schwalben

20. Mai 2007

Ich habe gar nicht mehr damit gerechnet, aber das alte Schwalbennest an der Garage wird jetzt doch wieder bezogen. Ein Mehlschwalbenpärchen ist eifrig dabei, die Schäden auszubessern. Vielleicht sind es ja die beiden aus dem letzten Jahr — oder deren Junge.

Die Rauchschwalben geben auch nicht auf. Unser Garagentor müssen wir konsequent zulassen, damit sie nicht anfangen, auf einem der Regale zu nisten. Vorgestern früh ist ein Pärchen sogar durch das Dachfenster in unser Schlafzimmer hereingeschwirrt, um sich seelenruhig auf dem Rollo des Giebelfensters niederzulassen und erst einmal die Lage zu sondieren. Auch nach fünf Minuten, nachdem wir alle den Raum verlassen hatten, um ihnen Gelegenheit zu geben, den Ausgang in Ruhe zu finden, saßen sie immer noch da. Erst als unsere Jüngste sich ihnen vorsichtig näherte, flatterten sie wieder zielstrebig zum Fenster hinaus. Bei aller Tierliebe — ein Schwalbennest auf dem Schlafzimmerschrank wäre dann doch nicht das Richtige. Vielleicht sollten wir draußen am Haus unter dem Dachüberstand für sie ein Brett anbringen. Im Gegensatz zu den Mehlschwalben brauchen sie eine Unterlage für ihre  Nester, sodass es gar nicht so einfach für sie ist, außerhalb von Gebäuden trockene Nistplätze zu finden.

An den Schwalben  beeindruckt mich besonders ihr Zusammenhalt, was ich gerade gestern bei der Gartenarbeit beobachten konnte: Ein Turmfalke hatte Jagd auf eine Schwalbe gemacht und sie schon fast in den Fängen, als alle anderen aus dem Umkreis — egal ob Mehl- oder Rauchschwalbe — sich auf ihn stürzten und dem Räuber mit Geschrei und Schnabelpieken so zusetzten, dass er sich erst einmal entnervt auf unsere Pergola genau über meinem Kopf zurückzog. Ob er nun absichtlich meine Nähe gesucht hatte, in der Hoffnung, die Angreifer würden dadurch Abstand halten, oder ob er mich in der Aufregung einfach nicht bemerkt hatte, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls saß er mehrere Minuten ganz regungslos etwa einen Meter entfernt von mir. Dabei konnte ich sehen, wie knapp es für die Schwalbe ausgegangen war: Ihr Flaum hing an seinen Krallen. Währenddessen war weiterhin das aufgeregte Zwitschern der Schwalben zu hören, und als der Falke schließlich davonflog, versuchte er möglichst dicht über dem Boden zu bleiben, um ihnen nicht so viel Angriffsfläche zu bieten.

Ähnliches habe ich auch schon mit einem Seeadler — nur aus größerer Entfernung — beobachtet. Obwohl Schwalben nur einen Bruchteil der Göße jener Greifvögel haben, gelingt es ihnen jedes Mal, sie aus ihrem Revier zu vertreiben.

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Schnecken

19. Mai 2007

Mit dem schönen Mairegen sind auch die Schnecken wieder aufgewacht, die sich während der Trockenheit tief im Boden verkrochen hatten. Dabei muss ich gestehen, dass, wenn es um Schnecken geht, ich durchaus ausländerfeindliche, ja rassistische Züge habe. Weinberg- und andere Schnecken mit Gehäuse sind O.K., denen geschieht bei mir nichts, zumindest nicht absichtlich. Normalerweise richten sie keinen großen Schaden an. Sollten sie sich zu sehr in einer Ecke des Gartens aufhalten und dadurch Pflanzen gefährden, setze ich sie einfach an anderer Stelle aus.

Ihre gehäuselosen Verwandten, allen voran die Spanische Wegschnecke (Ausländer, der keine natürlichen Feinde bei uns hat), sind jedoch diejenigen, die in mir bodenlose Hassgefühle hochsteigen lassen. Diese schaffen es, eine Neupflanzung von Salat oder Sommerblumen innerhalb einer Nacht zu vernichten bzw. was sie in dieser Nacht nicht geschafft haben, in der folgenden zu vollenden. Aus diesem Grund werden sie von mir gnadenlos verfolgt und vernichtet. Aussetzen hat keinen Zweck, es sei denn, man bringt einige Kilometer zwischen die Schnecken und den Garten, denn die angeblich so lahmen Kriecher legen relativ weite Distanzen zurück. An die Anlage eines Schneckenzauns habe ich auch schon gedacht, damit nicht immer wieder Neuankömmlinge einwandern, bisher habe ich aber Kosten und Mühen gescheut, da ich in diesem Fall zumindest den hinteren Teil des Gartens komplett einfassen müsste.

Von den Weinbergschnecken erhoffe ich mir, dass sie die Gelege ihrer nackten Verwandten fressen, deshalb gehe ich auch sehr vorsichtig mit Schneckenkorn um und verwende es nur, um besonders gefährdeten Pflanzen einen Startvorsprung zu geben, denn das macht keinen Unterschied zwischen erwünschten und unerwünschten Schnecken.

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Verirrt

13. Mai 2007

Auch dies ist etwas, das uns bisher jedes Jahr passiert ist: Rauchschwalben verirren sich ins Haus, weil sie auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz sind. Normalerweise ist das kein Problem, denn wenn man die Türen offen lässt und sich ruhig verhält, finden sie  schnell wieder hinaus. Manchmal denken sie aber, dass auf der anderen Seite, dort wo unsere großen fast bis auf den Boden reichenden Wohnzimmerfenster sind, der Ausgang ist. Das entpuppt sich dann schnell als eine Falle, aus der sie allein nicht wieder herauskommen. Und genau diese Fehleinschätzung traf heute eine dieser zierlichen Schwätzerinnen, die sich zu allem Überfluss noch fast zwischen den Kakteen auf der Fensterbank verhedderte. Zum Glück ließ sie/er sich leicht einfangen, wobei ich ihr kleines Herz so heftig pochen fühlte, dass ich sie sofort draußen freiließ, ohne ein Foto zu machen. Kurz darauf saß sie mit ihrem Gefährten auf dem Dach und zwitscherte munter vor sich hin. Vielleicht finden die beiden ja noch einen geeigneten Nistplatz.