Archive for November 2007

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Wegwerfpflanzen

24. November 2007

 

Zimmerpflanzen müssen bei mir tapfer sein. Gegossen werden sie höchstens einmal in der Woche — auch im Sommer, sodass ich Pflanzen, an denen mir etwas liegt, in der warmen Jahreszeit nach draußen stelle, damit sie regelmäßig durch Regen versorgt werden. Andere haben dadurch überlebt, dass ich sie auf Hydrokultur umgestellt habe (nachdem der Hund gelernt hatte, dass diese Kügelchen weder essbar noch zum Spielen da sind). Ansonsten gedeihen im Haus bei mir nur eine Phalaenopsis, Kakteen und fleischfressende Pflanzen wie Sonnentau und Venusfliegenfalle.

Pflanzen, die ich nicht mag, haben bei mir keine Chance, und das scheinen sie auch zu wissen. Usambaraveilchen, eigentlich sehr hart im Nehmen, überleben bei mir kein Jahr. Bis vor kurzem konnte ich von älteren Verwandten geschenkte Pflanzen noch bei unserer Kleinen unterstellen, wo sie ein gewisses Asyl genossen. Aber jetzt hat auch sie das Interesse daran verloren, sodass auch diese das Zeitliche gesegnet und ihren Platz auf dem Komposthaufen gefunden haben.
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Am schlimmsten sind Weihnachtssterne. Nicht nur, dass dieses grelle Rot die Augen beleidigt; sie sind von vornherein als Wegwerfpflanzen gezüchtet, denn es ist nur bei größtem Aufwand und geeigneten räumlichen Bedingungen möglich, sie im Folgejahr wieder zum Blühen zu bewegen.
Dieser, der uns von einem wohlmeinenden Bekannten geschenkt wurde, hat schon nach drei Tagen die Segel gestrichen, sodass ich noch nicht einmal nach einem geeigneten Asyl für ihn suchen konnte. (Es muss ja irgendwo Leute geben, die so etwas mögen, und es widerstrebt mir einfach lebende Pflanzen wegzuwerfen.) Wer mir also eine Pflanze schenken und dabei sichergehen will, dass sie überlebt, der sollte eine für den Garten aussuchen …

 

 

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Rapunzel

18. November 2007

… auch Feldsalat genannt. Bildet kleine dunkelgrüne Blattrosetten, die mit ihrem nussigen Geschmack einen vorzüglichen Wintersalat abgeben. Am liebsten essen wir ihn mit einer süßen Joghurtsauce: eine halbe Zitrone, einen Esslöffel Zucker und einen Becher Naturjoghurt. Das mögen sogar die Kinder, die sonst keinen Salat essen.
Man kann Feldsalat in Reihen ausäen; das erleichtert die Ernte ungemein. Denn wenn man ihn sich einfach seinen Platz suchen lässt wie ich, gerät das Einsammeln zum Suchspiel im ganzen Garten. Da die Pflanze nahrhaften Boden liebt, gedeiht sie bei mir am besten unter den Rosen oder im Erdbeerbeet, wo ich besonders viel Kompost eingearbeitet habe.
Was Feldsalat gar nicht mag, ist Schatten oder Trockenheit. Bei beidem fängt er sich schnell Mehltau ein und wird dadurch ungenießbar. Außerdem sollte man ihm regelmäßig Luft verschaffen. Ist zu viel Beikraut in der Nähe, bleiben die Pflänzchen zu klein, sodass sich eine Ernte nicht lohnt.
Solange kein Dauerfrost herrscht, wächst der Feldsalat den ganzen Winter über, sodass man in dieser Jahreszeit wenigstens ein Gemüse im Garten hat, das nicht mit Dünger oder Pestiziden hochgepuscht ist wie die Ware im Supermarkt. Außerdem sorgt die Pflanze als Bodendecker im Staudenbeet auch in der dunklen Jahreszeit für grüne Highlights und im Frühling gibt sie mit ihren weißen Blütenwölcken einen zierlichen Hintergrund für Tulpen und andere knallige Frühblüher ab.

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Einwintern

11. November 2007

Mit fragend-hoffnungsvoller Miene begutachtet unsere Kleine meinen Einkauf: „Mama, was willst du denn damit?“, dabei die Tüte mit dem Kaninchenstreu hochhaltend. Ich kann förmlich an ihrem Gesicht ablesen, wie es in ihr arbeitet. Sollte sich vielleicht doch ihr Wunsch nach einem eigenen Pelztier erfüllen? Aber da muss ich sie enttäuschen: „Das brauche ich für meine Dahlien und Gladiolen.“ — „Oh.“Dieses Wochenende habe ich die Wetterberuhigung genutzt, um endlich die letzten Dahlien und Gladiolen einzuwintern. Obwohl ich mir das Gegenteil vorgenommen habe — jedes Jahr werden es mehr. Ich kann einfach nicht widerstehen, wenn ich im Gartencenter die bunten Pakete sehe.
Nach meinen Erfahrungen gibt es wirklich nichts Besseres als Kaninchenstreu, um Zwiebeln und Knollen einzulagern. Kisten oder Eimer mit Sand eignen sich zwar auch gut, sind auf die Dauer einfach zu schwer und nehmen zu viel Platz in Anspruch. Mein Versuch mit Torf, der wesentlich leichter ist, hat zu zu vielen Ausfällen geführt; die Keimbelastung in dem Material war wohl einfach zu hoch. Kaninchenstreu erfüllt alle Voraussetzungen: Es sichert einen guten Feuchtigkeitsaustausch, sodass die Knollen weder austrocknen noch verrotten, und ist relativ keimfrei, sodass man im Frühling das Eingelagerte fast in dem gleichen Zustand entnimmt, wie man es hineingepackt hat. Zum Abpacken kann man dünne Plastiktüten verwenden, die wesentlich platzsparender sind als Eimer und Kisten und — nicht zu vernachlässigen — sich einfach beschriften lassen (Schließlich erkennt man die Blütenfarbe nicht unbedingt an der Knolle, obwohl ich nach jahrelanger Übung — weil ich zu faul war, jede einzelne Pflanze zu etikettieren — immerhin Pompon- von Kaktusdahlien an der Rhizomform unterscheiden kann.). Man sollte beim Einlagern nur darauf achten, dass man einige Luftlöcher in den Plastiktüten lässt, damit bei Bedarf zu hohe Feuchtigkeit entweichen kann.

Einen Nachteil will ich aber nicht verschweigen: Mäuse lieben das Material. Will man also nicht im Frühling lauter angefressene Tüten im Lagerraum wiederfinden, muss man sie maussicher verpacken bzw. rechtzeitig Mausefallen aufstellen.