Archive for April 2008

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Schnecken einmal anders

29. April 2008

Dass Nacktschnecken nicht zu meinen Lieblingstieren gehören, sondern im Gegensatz heftigste Hassattacken bei mir auslösen können, wird nicht verborgen geblieben sein. Allerdings kann ich trotz meiner regelmäßigen Feldzüge mich eines gewissen Respekts vor diesen schleimigen Fressmaschinen nicht erwehren, deren Anpassungsleistung an widrige Umweltbedingungen enorm ist (man lernt sich ganz gut kennen, wenn man gegeneinander Krieg führt).

Zum einen sehen sie gar nicht einmal so hässlich aus. Gerade die Jungtiere verfügen oft über ein wunderschönes, leicht bronzefarben glänzendes Streifenmuster. Bei einem Fell mit dieser Musterung würde jeder gleich in Begeisterungsrufe ausbrechen — allein die kühle, schleimige Oberfläche sorgt dafür, dass man die Schönheit nicht so richtig würdigen kann.

Außerdem grenzt es fast an ein Wunder, dass es so viele von ihnen ins Erwachsenenalter schaffen. Obwohl sie keinen Schutz haben wie die Gehäuseschnecken, überstehen sie Kälte- und Trockenperioden mindestens genausogut wie ihre behausten Verwandten, indem sie sich tief in die Erde eingraben. Nur wenn eine lange, scharfe Frostperiode herrscht, kann man darauf hoffen, dass die Gelege durch den Wasserentzug austrocken. Ansonsten überstehen sie die Winter problemlos.

Sieht man einmal von den berühmten japanischen Laufenten ab, haben Nacktschnecken ab einer gewissen Größe praktisch keine natürlichen Feinde mehr. Natürlich ist der Schleim ein Hindernis, ebenso wie ihre Fähigkeit, den Körper extrem anzuspannen und sich so gegen ein Ergreifen zu wehren. Außerdem nehme ich an, dass sie sich gezielt durch den Verzehr bestimmter kieselsäurehaltiger Pflanzen (Distel, Brennessel, Pomfrey) für Fressfeinde ungenießbar machen. Unter Umständen sind sie aus dem gleichen Grund auf bestimmte giftige Pflanzen aus: Wenn z.B. mein Goldregen seine Blüten abwirft, wimmelt es darunter von Nacktschnecken, die sich darüber hermachen. Ähnliches gilt für Narzissen und Scilla, bei denen die Schnecken noch nicht einmal auf das Abwerfen der Blüten warten und auch vor den Blättern nicht haltmachen. 😦

Erstaunlich ist auch, dass die Tierchen gleichermaßen ortstreu sind und auch oft weite Wanderungen auf sich nehmen, um neue Nahrungsquellen zu erschließen. Haben sie erst einmal eine leckere Pflanze gefunden, bleiben sie so lange dort, bis von ihr nichts mehr übrig ist. Darüber hinaus lockt eine angefressene Pflanze noch mehr Schnecken an — selbst wenn man am Tag zuvor alle von der befallenen Pflanze entfernt hat, kann man sicher sein, dass in kürzester Zeit neue Tiere zuwandern (vom Pomfrey habe ich in den letzten Tagen mehrere hundert Schnecken abgesammelt). Sie müssen also einen sehr guten Geruchssinn haben, der sie zu angefressenen oder verletzten Pflanzen führt. Dies ist auch der Grund, warum ich bisher kein Glück mit vorgezogenem Zucchini hatte: Beim Einpflanzen kommt es ganz schnell zu Beschädigungen, und die austretenden Gerüche locken wieder Schnecken an, die der Pflanze dann nach und nach den Garaus machen. (Deshalb ist es auch müßig, Schnecken einzusammeln und dann am Feldrand wieder auszusetzen. Wenn die Entfernung nicht weit genug ist, kommen sie garantiert wieder.)

Nacktschnecken sind auch keine reinen Vegetarier, obwohl sie Pflanzenkost — gern abgestorbene Pflanzenteile — zu bevorzugen scheinen. Bei Regen kann man beobachten, dass sich größere Exemplare schon einmal einen Regenwurm vornehmen. Auch Aas verschmähen sie nicht. Und wenn die Gelegenheit sich bietet, werden sie zu Kannibalen: Eine tote Schnecke lockt mit Sicherheit innerhalb kürzester Zeit zehn weitere an.

Eigentlich erfüllen sie also eine wichtige Rolle in der Natur, indem sie Verrottungsprozesse beschleunigen und so Nährstoffe wieder dem Boden zuführen. Wenn sie sich nur nicht mit solch einer erbarmungslosen Gefräßigkeit über meine Lieblingspflanzen hermachen würden….

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Wind

22. April 2008
Auch wenn die ersten Schwalben eingetroffen sind und seit einigen Tagen strahlendster Sonnenschein herrscht, die wahren Frühlingsgefühle wollen sich einfach nicht einstellen. Der scharfe Nordostwind, der ständig weht — wie es scheint von Tag zu Tag heftiger — zerrt an den Nerven. Zudem sorgt der strahlend blaue Himmel für harte, kalte Farben, lässt die Pflanzen im Garten stumpf erscheinen. Selbst das Kornfeld hinter unserem Haus wirkt kalt und abweisend mit seinen grün-silbernen Wogen.
Nur in geschützten Ecken ist es im Garten auszuhalten, aber das sind nicht gerade die Orte, an denen man arbeiten möchte. Nicht nur dass es kalt ist, man muss auch ständig aufpassen, dass die Materialien an einem Ort bleiben: Hat man gerade den Unkrauteimer geleert, muss er beschwert werden, damit er nicht vom Wind durch die Gegend geblasen wird. Das Schnittgut von Stauden, das noch häufchenweise auf das Einsammeln gewartet hatte, ist sowieso in alle möglichen Ecken verteilt worden, und ans Aussäen — eigentlich das Schönste zu dieser Jahreszeit — ist erst recht nicht zu denken. Kurz gesagt, es macht einfach keinen Spaß.