Archive for März 2010

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Vergesslichkeit

29. März 2010

Es gab Zeiten, da hatte ich ein fast photografisches Gedächtnis, gerade was meinen Garten angeht. Normalerweise weiß ich, auch ohne nach draußen zu schauen, was wo wächst, und vor allem: wer mir zu welchem Anlass welche Pflanze geschenkt hat.
Allerdings muss ich immer mehr feststellen, dass in letzter Zeit das Abspeichern nicht mehr so gut funktioniert. Daraus entstehen dann solche Situationen, dass ich micht wundere, wo denn die blauen Strahlenanemonen abgeblieben sind, nur um festzustellen, dass sie sich mühsam unter einem Purpurglöckchen hervormühen, das ich nichtsahnend letzten Herbst darüber gepflanzt habe.
Andererseits hat Vergesslichkeit auch ihre schönen Seiten: Noch nie habe ich mich in einem Frühjahr so gefreut über all die neuen Pflanzen in meinem Garten. Wenn man nicht mehr weiß, dass sie jemals da waren, ist die Überraschung am Ende umso überwältigender.

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Nach dem Schnee

10. März 2010

Der meiste Schnee ist tatsächlich weggetaut und ganz zaghaft trauen sich die ersten Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokusse hervor. Aber das ist auch schon das einzig Erfreuliche.
Der Rasen ist größtenteils unter der schweren Schneeschicht vergammelt, und über allem liegt ein Grauschleier — Dreck und Staub, der sich im Schnee gesammelt hatte und sich nach dem Abtauen auf den Beeten abgelagert hat. Harken hilft zwar ein bisschen, das Ergebnis ist aber nicht vollkommen überzeugend, da die Natur noch nicht so in Gang kommen will. Nachttemperaturen von unter minus zehn Grad und Tagestemperaturen, die kaum über dem Gefrierpunkt liegen, konservieren alles, wie es ist. Der Winter ist noch lange nicht vorbei.

Zum Glück halten sich die Schäden in Grenzen. Gut, die Artischocken sind wohl hinüber. Die Kälte war hier gar nicht das Problem, die Pflanzen sind vielmehr unter der Schneedecke verfault. Außerdem ist ein Ast meines Schlitzahornbäumchens unter der Schneelast abgebrochen, sodass der Baum jetzt recht erbärmlich aussieht. Am Schlimmsten hat es jedoch meine beiden Rosmarinbüsche im Vorgarten erwischt, die völlig abgestorben scheinen; aber da der kriechende Rosmarin an der Terrasse nur leicht verfroren ist, sind diese Ausfälle zu verkraften.

Ansonsten scheint alles noch da zu sein. Auch die Vögel, die sich während der kalten Tage an geschütztere Stellen im Dorf zurückgezogen hatten, fallen jetzt wieder regelmäßig in den Garten ein und verbreiten einen Hauch von Frühling, wenn sie die Nistkästen inspizieren oder sich um Zweige und Gräser streiten, die sie für den Nestbau verwenden wollen. Es ist schon erstaunlich, wie es diese kleinen Wesen schaffen, über einen solch langen Winter zu kommen.