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Landpflanzen in der Stadt

10. August 2007
Es sind Sommerferien, und so nutzen wir die Tage mit dem schlechten Wetter für Familienausflüge — wobei sich unser Großer gern ausklinkt, um zuhause „sturmfreie Bude“ zu haben, und wir unsere Kleine so richtig verwöhnen können.
Es sollte diesmal nach Bremen gehen, ins Science Center, etwa zweieinhalb Stunden Fahrtzeit von hier, wenn man nicht alle halbe Stunde auf der Autobahn eine Toilettenpause einlegt. (Dabei lagen auf allen Rastplätzen genügend Argumente für ein Verbot des Rauchens in der Öffentlichkeit herum: Zigarettenkippen noch und nöcher. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass Rauchern die Reste einfach so aus der Hand fallen.)
Wenn man sich als Dorfmensch so in der Großstadt aufhält, so sieht man sich ungewohnten Schwierigkeiten gegenüber. Einmal die Fahrradwege. Gibts auf dem Dorf nicht. Prompt wird man von wütendem Klingeln aufgeschreckt, weil man beim Dahinschlendern nicht darauf geachtet hat, dass der rote Streifen für die Fahrräder ist. Als Nächstes öffentliche Verkehrsmittel. Auf dem Dorf nicht der Rede wert, da abgesehen von den Schulbussen nur dreimal am Tag ein Bus in die nächste Kleinstadt fährt. Bremen hat noch (oder schon wieder?) eine Straßenbahn, und wir ließen es uns nicht nehmen, zwischendurch vom „Universum“ — so heißt das Science Center — in die Innenstadt zu fahren. Aber welchen Tarif wählt man? Und wo bezahlt man? Und wo steigt man aus? Zum Glück waren die Bremer in unserer Nähe sehr hilfsbereit.
Schließlich sind da noch die vielen Menschen. Macht man auf dem Dorf einen Rundgang mit dem Hund, so begegnen einem höchstens eine handvoll Menschen. Es ist also üblich, alle zu grüßen, auch wenn man sie nicht kennt. Dieses Verhalten fällt in der Großstadt unangenehm auf. Also übt man sich darin, freundlich distanziert zur Seite zu sehen, was auf die Dauer ziemlich anstrengend ist, wenn man es nicht gewohnt ist.
Das größte Problem war jedoch die Orientierung, weniger für uns Eltern, als für unsere Kleine, die es gewohnt ist zu wissen, wo es lang geht. Mit einem erstaunlichen Selbstbewusstsein für ihre acht Jahre marschierte sie los, im Zweifelsfall in die falsche Richtung. „Lass uns noch einmal auf Toilette gehen“, und während Mutter zügig zum Örtchen voranschritt, war Tochter mit einem Mal verschwunden. Nach längerem Suchen fand ich sie in der Cafeteria. „Lass uns zum Auto zurück“, und Tochter läuft vom Außengelände über die Straße (immerhin vorschriftsmäßig) und marschiert zielstrebig auf den Haupteingang der Ausstellung zu, während die Eltern rufend und winkend in die andere Richtung gestikulieren. Am meisten Schweiß hat jedoch der gemeinsame Gang durch die Ausstellung gekostet. Weniger wegen der von den vielen Besuchern verursachten schlechten Luft, sondern weil Kind ein eigenes Tempo an den Tag legte und sehr erstaunt war, dass wir es für nötig hielten, mit ihr in Kontakt zu bleiben. Letztlich ging jedoch alles gut, weder Eltern noch Kinder gingen verloren, sondern traten erschöpft und voller neuer Eindrücke die Heimreise an.
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