h1

Schwalben

20. Mai 2007

Ich habe gar nicht mehr damit gerechnet, aber das alte Schwalbennest an der Garage wird jetzt doch wieder bezogen. Ein Mehlschwalbenpärchen ist eifrig dabei, die Schäden auszubessern. Vielleicht sind es ja die beiden aus dem letzten Jahr — oder deren Junge.

Die Rauchschwalben geben auch nicht auf. Unser Garagentor müssen wir konsequent zulassen, damit sie nicht anfangen, auf einem der Regale zu nisten. Vorgestern früh ist ein Pärchen sogar durch das Dachfenster in unser Schlafzimmer hereingeschwirrt, um sich seelenruhig auf dem Rollo des Giebelfensters niederzulassen und erst einmal die Lage zu sondieren. Auch nach fünf Minuten, nachdem wir alle den Raum verlassen hatten, um ihnen Gelegenheit zu geben, den Ausgang in Ruhe zu finden, saßen sie immer noch da. Erst als unsere Jüngste sich ihnen vorsichtig näherte, flatterten sie wieder zielstrebig zum Fenster hinaus. Bei aller Tierliebe — ein Schwalbennest auf dem Schlafzimmerschrank wäre dann doch nicht das Richtige. Vielleicht sollten wir draußen am Haus unter dem Dachüberstand für sie ein Brett anbringen. Im Gegensatz zu den Mehlschwalben brauchen sie eine Unterlage für ihre  Nester, sodass es gar nicht so einfach für sie ist, außerhalb von Gebäuden trockene Nistplätze zu finden.

An den Schwalben  beeindruckt mich besonders ihr Zusammenhalt, was ich gerade gestern bei der Gartenarbeit beobachten konnte: Ein Turmfalke hatte Jagd auf eine Schwalbe gemacht und sie schon fast in den Fängen, als alle anderen aus dem Umkreis — egal ob Mehl- oder Rauchschwalbe — sich auf ihn stürzten und dem Räuber mit Geschrei und Schnabelpieken so zusetzten, dass er sich erst einmal entnervt auf unsere Pergola genau über meinem Kopf zurückzog. Ob er nun absichtlich meine Nähe gesucht hatte, in der Hoffnung, die Angreifer würden dadurch Abstand halten, oder ob er mich in der Aufregung einfach nicht bemerkt hatte, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls saß er mehrere Minuten ganz regungslos etwa einen Meter entfernt von mir. Dabei konnte ich sehen, wie knapp es für die Schwalbe ausgegangen war: Ihr Flaum hing an seinen Krallen. Währenddessen war weiterhin das aufgeregte Zwitschern der Schwalben zu hören, und als der Falke schließlich davonflog, versuchte er möglichst dicht über dem Boden zu bleiben, um ihnen nicht so viel Angriffsfläche zu bieten.

Ähnliches habe ich auch schon mit einem Seeadler — nur aus größerer Entfernung — beobachtet. Obwohl Schwalben nur einen Bruchteil der Göße jener Greifvögel haben, gelingt es ihnen jedes Mal, sie aus ihrem Revier zu vertreiben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s