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Omas Geburtstag

8. August 2006

Wofür Regen doch nützlich sein kann – abgesehen vom Blumengießen. Das Besondere daran ist, dass es noch nicht einmal regnen muss. So geschehen auf einer Geburtstagsfeier. Versammelt die gesamte Verwandtschaft, um das übliche Ritual abzuhalten: von Kuchenessen, Kaffeetrinken, Nichten-Neffen-Enkelkinderbewundern, Austausch über das Wetter (es regnet immer noch nicht, es ist der trockenste Sommer seit Menschengedenken), Autos, Urlaub auf Mallorca/ in der Türkei/ zu Hause bis zum Anstoßen mit Gesang auf das Geburtstagskind und anschließendem Grillen mit in der Hitze leicht verfärbtem Grillfleisch, fettem Kartoffelsalat und Ketchup, der seit zwei Jahren abgelaufen ist.

Und dann taucht eine dunkle Wolke auf. Onkel R. blickt zum Himmel, runzelt sorgenvoll die Stirn mit den Worten: „Jetzt müssen wir uns aber beeilen“. Sofort kommt Hektik auf; das restliche Grillgut wird in Sicherheit gebracht (Hoffentlich hat niemand im Ernst vor, es noch morgen zu essen); Geschirr, Tische und Stühle werden hastig zusammengeräumt; und während die eine Gruppe sich in der kleinen Küche zusammendrängt und den Abwasch macht, stellt die andere die alte Ordnung auf dem Hof her, damit Blumenkübel und Gartenzwerge auch nicht eine Nacht an der falschen Stelle zubringen müssen.

Es ist immer noch kein Tropfen gefallen, aber die ganze Aktion hat das lang ersehnte
Zeichen zum Aufbruch gegeben. Mit unverhohlener Erleichterung verabschiedet sich einer nach dem anderen, glücklich, dass trotz der ganzen Hektik nicht doch noch der Notarzt geholt werden musste.

Endlich wieder zuhause. Es hat tatsächlich noch geregnet. Auch wenn nur die Oberfläche etwas angefeuchtet ist, hat der Garten förmlich aufgeatmet. Der Staub ist aus der Luft verschwunden, sogar der braune Rasen sieht schon wieder etwas frischer aus, als ob neues Grün sprießt (oder ist das nur Einbildung?).

Es juckt mich schon wieder in den Fingern; hie und da zupfe ich das ein oder andere Unkraut (politically correct: Wildkraut) heraus und bin schon kurz davor, die Salatpflänzchen zu vereinzeln, die wie durch ein Wunder die Trockenzeit überstanden haben, als ich merke, dass ich immer noch die Klamotten von der Geburtstagsfeier anhabe. Mit weißer Bluse in der feuchten Erde herumzuwühlen ist vielleicht doch nicht so eine gute Idee. Da Umziehen nicht mehr lohnt, entschließe ich mich, meinem Magen mit einem kräuterhaltigen alkoholischen Getränk etwas Gutes zu tun, da entweder der Ketchup oder die Grillwurst der Geburtstagsfeier ein flaues Gefühl hinterlassen haben.

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